"Hast du Varla eigentlich damals begraben, nachdem sie verschieden war?"
Sharii schreckte auf und starrte mit Verwunderung in Björn's Gesicht.
"Wie kommst du jetzt auf so eine Frage Björn?"
"Nun ... immer wenn ich mir den kleinen Báleygr anschaue sehe ich seine Mutter vor mir. Und ich finde sie hat ein anständiges Begräbnis verdient, egal was das Weibsvolk spricht."
"Also ... nein. Ich habe sie lediglich zugedeckt und das Feuer gelöscht. Aber wahrscheinlich haben sich die Aasfresser schon über sie hergemacht, schliesslich ist schon viel Zeit vergangen seit Báleygr's Geburt"
"Ich würde ja danach schauen, allerdings kenn ich den Weg zur Hütte nicht. Wärst du so gütig mich zu führen?"
Sharii schwieg eine Weile und starrte in die Flammen der kleinen Feuerstelle in ihrer Hütte.
Björn wendete sich dem schon schlafenden Báleygr zu und wünschte ihm eine gute Nacht, da er gehen wollte um Sharii in Ruhe nachdenken zu lassen.
Doch als er schon in der Türöffnung stand sagte Sharii zu ihm : "Komm morgen Abend wieder, wenn du deine Arbeit verrichtet hast, dann will ich dich führen. Die Leute im Dorf müssen nicht wissen, was wir vorhaben, also behalte es bitte für dich.
Und nun gute Nacht Björn."
Er nickte leicht und ging dann in die Nacht hinaus ohne ein weiteres Wort zu sagen.
Doch als er in seiner Schmiede angekommen war, konnte er nicht mehr einschlafen, weil ihn seine Gedanken quälten und so stellte er sich in tiefster Nacht an seinen Amboss und begann eine Fibel zu schmieden.
Er arbeitete bis ins Morgengrauen, ehe er sich für ein paar Stunden schlafen legte.
Am Abend schlich er wie befohlen zu Sharii's Hütte und ging dabei allen aus dem Weg.
Sharii erwartete ihn bereits und mit einer Fackel bewaffnet begaben sie sich auf die lange Wanderung.
"Wo hast du den kleinen gelassen?"
"Mach dir um Báleygr keine Sorgen, er wird lange schlafen. Ich habe ihm einen Tee gemacht, der ihn ruhig stellt."
Als der Morgen graute kam endlich Varla's Hütte in Sicht.
Sie betraten die Hütte und Sharii bemerkte, dass alles noch genauso war, wie an jenem Abend als sie gebahr.
Björn schaute sich um und murmelte schliesslich: "Selbst die Tiere scheinen sich vor ihr zu fürchten, auch nach ihrem Ableben."
Ehrfürchtig trat er an ihr Bett und begutachtete den leblosen Körper.
"Eine Schande um diese Schönheit ... "
Er ging nach draussen und begann ein Loch auszuheben, während Sharii Steine sammelte.
Wenige Stunden später befand Björn die Grube, in der er stand für ausreichend und weckte Sharii.
Zusammen legten sie Varla's sterbliche Überreste sanft in die Grube und begannen sie zuzuschütten.
Danach häufte Sharii die gesammelten Steine und sang leise ein Klagelied.
Sie standen noch eine Weile vor dem frischen Grab und schwiegen.
Björn nahm die Fackel und steckte die Hütte in Brand.
Sharii sah ihn bestürzt an doch er meinte nur : "Wenn jemand die abgebrannte Hütte findet, denkt er sich, sie wäre darin verbrannt. So ist ihr Grab vor einer Schändung geschützt."
So traten sie den langen Marsch zurück ins Dorf an, im Schein der brennenden Hütte.
Sie schwiegen den ganzen Weg über.
Sharii musste sich zum Schweigen zwingen, als sie sah wie Björn eine Träne über die Wange lief als er sich ein letztes Mal umdrehte und in Richtung der Flammen sah.
Sie rätselte was der Grund dafür sein könnte, doch kam sie zu keiner Erklärung und so hatte sie es nach kurzer Zeit wieder verdrängt.
Dienstag, 4. September 2007
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