Als der Morgen graute kam die Hebamme im Dorf an.
Die Frauen waren bereits wach und mühten sich am Brunnen, während einige der Kinder bereits herumtollten.
Als die Hebamme das Dorf betrat mit dem Bündel in der Hand wurde sie von allen misstrauisch betrachtet.
Schliesslich fragte eine "Was trägst du da auf deinem Arm Sharii? Ist das etwa das Kind der Hexe?"
Sharii, so wurde die Hebamme genannt, blickte auf den Knaben, der in ihren Armen schlief und sprach nur leise "Varla ist tot. Ich werde den Knaben aufziehen."
Die Frauen im Dorf fingen unentwegt an zu diskutieren und man hörte immer wieder den einen Satz: "Endlich ist diese Hexe tot. Verdient hat sie's"
Doch Sharii kümmerte sich nicht weiter darum und ging in ihre Hütte um dem Knaben ein warmes Bett zu richten.
Nach ein paar Tagen legte sich der Aufruhr um den Tod von Varla, der allseits verachteten als Hexe geächteten Schönheit.
Báleygr war, im Gegensatz zu seiner Mutter, wohlauf und wurde schnell kräftig.
Sein mächtiges Stimmorgan hallte stets durch das gesamte Dorf und schnell bekam er von den Bewohnern den Beinamen Vrede (Zorn).
Doch wurde der Knabe akzeptiert, obgleich er ein Abkömmling einer Hexe war.
Und bald war auch dies in Vergessenheit geraten und alle sahen in ihm nur noch Báleygr, Sohn von Sharii, der Hebamme.
Und alle bekräftigten Sharii, dass sie einen wunderschönen Sohn habe, obgleich sie selber nicht gerade eine Augenweide war. Nur der Blick des Knaben flößte allen Dorfbewohnern Respekt und Angst ein, denn das Feuer in seinen Augen wuchs mit jedem Tag.
Naja, sagen wir alle, bis auf einen.
Den stärksten Mann im Dorf, der das Element des Feuers zu beherrschen wusste.
Der Schmied Tykkelse. Eigentlich hiess er Björn, aber wegen seines gestählten Körpers und der Wucht, mit der er den Amboss quälte, nannten ihn alle nur ehrfürchtig Tykkelse (Mächtigkeit).
Er schloss den Knaben und das Feuer in seinen Augen sofort ins Herz und besuchte Sharii daher öfters um Báleygr zu sehen.
Er hatte einen solchen Narren an dem kleinen Burschen gefressen, dass er es kaum erwarten konnte, dass der kleine auf eigenen Beinen stehen konnte.
Tykkelse sah in ihm wohl den Sohn, den er sich immer gewünscht hatte und der sein Handwerk erlernen und sein Wissen erhalten sollte.
Doch bis es soweit war, dass der kleine Knirps einen Hammer in Händen halten könnte, sollte es noch eine Weile dauern.
Donnerstag, 23. August 2007
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